Ich bin überzeugt: Das Wesentliche geschieht oft in den Pausen. Nicht nur durch Tun verändern wir die Welt, sondern auch durch Lassen - vielleicht bewirkt das manchmal sogar mehr. Deshalb gibt es heuer in der Mutmacherei keine weiteren Seminare. Los geht's wieder mit frischem Wind und neuem Schwung Mitte Januar 2018. Weitere Infos finden Sie im Veranstaltungskalender. Da ich gern spontan auf Anfragen und Bedarfe reagiere, wird das Programm im Lauf der nächsten Monate noch wachsen. Es lohnt sich, immer mal wieder reinzuschauen!

 

 

Mich beschäftigt aktuell das Schicksal eines Nürnberger Einzelhändlers, mit dem wir dieser Tage ins Gespräch kamen: Es ist Marcus Pickl, der mit seinem „Pickls“ im Februar weg vom Nibelungenviertel in den Kirchenweg gezogen ist. So ein radikaler Stadtteilwechsel ist für eine etablierte Weinhandlung nebst Bar natürlich ein Wagnis. Das hatte der Betreiber nicht freiwillig auf sich genommen: Das kleine Gebäude an der Wodanstraße, das er als früheres „Schlosser“ übernommen hatte, wird abgerissen. Allerdings hätte der Unternehmer ohne Not ein paar Monate später umziehen können, was er zweifellos getan hätte, hätte er gewusst, was ihn in der Nordstadt in diesem Sommer erwartete: Eine Dauerbaustelle im Kirchenweg – genau vor seiner Haustür! Nun fehlt dem Herrn Pickl keinesfalls das Verständnis dafür, dass die Stadt irgendwann die Kanalisation sanieren muss. Er hätte sich nur gewünscht, dass man ihn darüber informiert hätte, als er seine Genehmigungen zum Betrieb der Weinbar und des Ladens einholte. Doch weder die städtischen Stellen noch der Vermieter wiesen ihn daraufhin, dass er den ganzen Sommer über quasi abgeschnitten von den rundum liegenden Zufahrten sein würde. Hand aufs Herz: Wer schleppt schon gern seine Weinkisten quer durch St. Johannis, vorbei an allen Baustellenabsperrungen? Es ist ein trauriges Bild, wenn man sieht, wie Marcus Pickl versucht, tapfer zu bleiben und die contenance zu wahren. Vermutlich ist ihm klar, dass zu viel Jammern noch die letzten Gäste vertreibt, die sich abends auf ein Glas Wein bei ihm einfinden. Er hofft eben darauf, dass es wieder so wird wie am Anfang: Es war doch so gut angelaufen in den ersten Monaten! Sogar die treuen Stammkunden aus der Südstadt waren gekommen, um weiterhin ihren guten Tropfen bei ihm zu kaufen. Inzwischen bleiben sie aus, und das ist nicht nur der Ferienzeit geschuldet, sondern zweifellos den mangelnden Zufahrtswegen und Parkgelegenheiten. Am Ende unseres Gespräches geleitet uns der Weinhändler zur Tür und erst jetzt fällt uns das kreisrunde Loch nebst Sprüngen in der Glaseingangstüre auf. Versuchter Einbruch oder Sabotage? Er weiß es nicht. Passiert war es am Vortag. „Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.“, meint Herr Pickl und seine Stimme schwankt zwischen Hoffnung und Bitterkeit. Wir hoffen mit ihm – und auf ein baldiges Ende der Großbaustelle!

 

 

 

Während ich bei einer Tasse Tee gemütlich am heimischen Schreibtisch sitze, fliegen acht Männer einer mehr als ungewissen Zukunft entgegen: Abgeschoben nach Afghanistan, in ein Land, von dem wir in Deutschland derzeit nicht einmal wissen, was dort geschieht. Verurteilte Straftäter, so hat unser derzeitiger Innenminister entschieden, können abgeschoben werden, auch nach Afghanistan. Parallel veröffentlicht der bayerische Innenminister eine Statistik zum Anstieg der Gewalttaten durch Menschen mit Migrationshintergrund. Das alles zehn Tage vor der Wahl. Ist denn im Wahlkampf jedes Mittel, jeder noch so populistische Ausbruch recht? Wissen wir nicht mehr, was „Menschenrecht“ bedeutet? Haben wir vergessen, was einen totalitären Unrechtsstaat von einem Rechtsstaat mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung unterscheidet? Ich glaube, wir können nur noch über unser Bewusstsein etwas verändern. Die „600 Madonnen“ von Ottmar Hörl (Installation an der Nürnberger „Straße der Menschenrechte“) bringen es zum Ausdruck: Bestürmen wir den Himmel mit der Bitte um mehr Bewusstsein in der Welt!

Buchhandlung unterstützt die Kampagne im Rahmen der „Nürnberger Wochen gegen Rassismus“

„Denkt mit dem Herzen!“ heißt es am kommenden Samstag, 11. März 2017, bei Thalia-Buchhaus Campe in der Nürnberger Karolinenstraße. Die Buchhandlung unterstützt damit meine Initiative, in der ich mich zusammen mit anderen Mitstreitern für die Verbreitung von mehr Mitmenschlichkeit und Herzenswärme in Nürnberg einsetze.
Mit meiner Idee, mit Aufklebern, Buttons und Kühlschrankmagneten für einen herzensklugen Umgang miteinander zu werben, traf ich bei Filialleiterin Sabine Janßen auf offene Ohren und ein ebenso offenes Herz: „Gerade wir hier in der Stadt der Menschenrechte müssen uns engagieren gegen Fremdenfeindlichkeit. Wir führen den Aktionstag bewusst an einem Samstag während der ‚Nürnberger Wochen gegen Rassismus‘ durch und machen unsere Kunden auch durch Auslage der Faltblätter auf die Initiative des Menschenrechtsbüros aufmerksam.“ Beworben werden an dem Tag natürlich auch Bücher, die sich mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen, darunter das Büchlein von Konstantin Wecker „Denkt mit dem Herzen“ (Gütersloher Verlagshaus 2016), das als Impulsgeber für die Herzdenker-Kampagne diente. Darüber hinaus gibt es auch kleine Geschenke zum Thema, ein Besuch des Buchhauses am Samstag lohnt sich also.